Hypercube/One

Bücher mit Bedeutung (und alte Blog-Vibes)

Matt Webb hat eine schöne Idee entstaubt, als er einen alten Blog-Post von 2005 noch einmal aufgegriffen hat:

Also daaaaaamals (bevor du geboren wurdest, Kumpel, als das Leben großartig war) waren Blogs noch Social Media, wie Twitter, nur weniger wütend, und wir hatten MEMES.1

Nicht nur, dass ich das und diese Art von Blogs etwas vermisse — das Thema von seinem Meme dazu? Bücher. 爱!

Das sind die Fragen:

  • Wie viele Bücher hast du?
  • Welches Buch hast du zuletzt gekauft?
  • Welches Buch hast du als letztes gelesen?
  • Welche fünf Bücher bedeuten dir besonders viel?

Früher™ wurden solche Memes dann im eigenen Blog beantwortet und anschließend fünf Leute markiert, die das dann hoffentlich auch aufgegriffen haben. Ganz im Geiste davon — und eben für diese Blog-Vibes — tue ich das dann halt jetzt.

Das sind meine kurzen Antworten zur Kaffeezeit.

Wie viele Bücher hast du? Nach der Großen Säuberung von vor ein paar Monaten habe ich noch ungefähr 15 Meter an Büchern und aktuell ziemlich genau 278 E-Books. (Das war mal eine Übung in Loslassen.) Ein paar davon sind bewusst doppelt. Bei Erzählungen bevorzuge ich Papier, bei Sachbüchern die digitale Ausgabe, wobei es den Zahlen nach gar nicht so aussieht — und ich auch praktisch immer drei, vier Bücher auf meinem Schreibtisch zur Arbeit liegen habe.2 Wissenschaftliche Publikationen „sammle“ ich allerdings etliche digital, um da entsprechende Vorteile wie Konkordanz nutzen zu können.

Welches Buch hast du zuletzt gekauft? Aus Papier: „Ways of Being“ von James Bridle. Mich faszinieren die Schnittmengen von Kunst, Politik, Kultur und Technologie sehr, und ich finde es aktuell interessant, wie sich andere Autor:innen/Künstler:innen dem nähern, ganz besonders dann, wenn ich mich dabei ertappe zu denken, dass ich mich auch gerne so differenziert ausdrücken und gleichzeitig Gefühle einfangen können möchte. Digital waren es in einem Warenkorb zwei Bücher: „Captivate“ von Vanessa Van Edwards, um das Thema aus einer anderen Sicht noch mal aufzugreifen, sowie „Children of the New World“ von Alexander Weinstein, auch aus dem Grund.

Welches Buch hast du als letztes gelesen? Die Frage ist etwas ungenau für mich: Ich lese immer mehrere Bücher gleichzeitig3, und ich lese bei Weitem nicht alle Bücher zu Ende. Dann kommt da noch hinzu, dass ich seit ein paar Wochen quasi auf Dauerschleife „Ich-Entwicklung für effektives Beraten“ von Thomas Binder lese. Ganz bewusst für sich allein genommen fällt mir als erstes „Existential Physics“ von Sabine Hossenfelder ein4, was schöne Antworten einer Physikerin auf die großen Fragen des Lebens, des Universums und dem ganzen Rest sind (ohne Formeln!) — und mich da sehr bei angesprochen hat.

Welche fünf Bücher bedeuten dir besonders viel?

  1. „Die Geschichte vom Bär und vom Vogel“ von Steffen Mühlhäuser. Weil es mein erstes eigenes Buch war, ich mich noch immer daran erinnern kann und die Geschichte auch noch immer einfach schön ist.
  2. „Gödel, Escher, Bach“ von Douglas Hofstadter. Zumindest in meiner Erinnerung ist es das erste Sachbuch, das ich gelesen habe, was es allerdings trotzdem nicht so wichtig und bedeutungsvoll wie die Tatsache macht, dass es mir mein Vater zu Lesen gegeben hatte. Das verbindet nochmal auf eine ganz andere Art. Interessant finde ich immer wieder, wie viele Ideen und Konzepte ich auch inzwischen Jahrzehnte später in meinem Denken wiederfinde.
  3. „The War of Art“ von Steven Pressfield. Auch wenn ich bis dahin schon viele emotionalisierte und emotionalisierende Bücher gelesen hatte, ist es das erste Buch, das es geschafft hat, dass mir regelmäßig etwas schlecht geworden ist, auf eine merkwürdige Art und Weise dabei allerdings auch positiv. Warum? Weil es mir schonungslos gezeigt hat, warum ich einige mir wichtige Dinge halt nicht so angegangen bin, wie ich es hätte machen wollen und sollen, und deshalb gleichzeitig in vielerlei Hinsicht ein unglaublicher Tritt in den Arsch war und beim Gedanken daran immer wieder ist. Und wie auch immer Steven Pressfield das geschafft hat, der ganze Musen- und Engelskram, der besonders zum Ende hin etwas eskaliert, hat mich nicht mal dabei genervt, sondern ist eine innerlich begriffene Allegorie für mich.
  4. „Leviathan und Schwarze Spiegel“ von Arno Schmidt. Eigentlich hatte mir ein Freund das Buch mit den beiden Geschichten eher sarkastisch gemeint gegeben, womit er sich so in seinem Studium herumschlagen musste — ich fand und halte sie für schlichtweg großartig. Ob als Kriegsgeschichte von einem Menschen, der Krieg hasst, aufzufassen, oder sich in der Erzählweise zu verlieren, oder in den Anspielungen, oder in der Auflösung (besonders bei „Schwarze Spiegel“), oder in den philosophischen Betrachtungen, oder oder oder, da hallt noch immer so viel nach und bietet immer wieder Resonanzfläche für entsprechende Gedankengänge.
  5. Wie auch Matt Webb nehme ich mir hier die Freiheit, mich auf ein fünftes Buch nicht festlegen zu wollen, denn eigentlich ist die gesamte Liste schon irgendwie nicht richtig und unfair gegenüber so vielen anderen Büchern. Und je länger ich nachdenke, desto mehr Bücher fallen mir auch ein, wie „Foundation“ von Isaac Asimov, „Musashi“ von Eiji Yoshikawa, „Exhalation“ von Ted Chiang, „Der Igel und der Fuchs“ von Isaiah Berlin, „Ich-Entwicklung für effektives Beraten“ von Thomas Binder, „Meditations“ von Marc Aurel (in der Übersetzung von Gregory Hays) und so weiter. In meiner Selbstwahrnehmung meine ich bestimmt, dass da viele Sachbücher bei sein müssten, aber je mehr Zeit bei den Gedanken verstreicht, ändert es sich über biografisch inspiriertem hin zu Romanen. Und da hauptsächlich Science-Fiction, was vermutlich nicht wirklich überraschend ist.

That’s a wrap! (Eine Übersicht der mir wichtigsten Bücher zum Arbeiten findest du in meiner Leseliste.)

Und falls du dich angesprochen fühlst, die Fragen zu beantworten, lass es mich sehr gerne wissen — oder uns darüber reden!


2005, nebenbei. Da schrieb ich von der Taubenmafia, von Haaren an den Beinen und davon, entweder asi oder blöde zu sein.


  1. In seinen Worten: „So waaaaaay back (before you was born, dude, when life was great) blogs used to be social media, like Twitter only less angry, and we had MEMES.“ 
  2. Aktuell: „Die neue Gewaltfreie Kommunikation“ von Markus Fischer, „Ich-Entwicklung für effektives Beraten“ von Thomas Binder, “Ganz im Gegenteil“ von Matthias Varga von Kibéd und Insa Sparrer, „Business Slowdown“ von Svenja Hofert und „Ways of Being“ von James Bridle. 
  3. Was übrigens leicht ist: jeweils nur ein Buch an einem bestimmten Ort; also im Wohnzimmer, im Büro, im Pausenraum, im Zug, auf Toilette (ich urteile nicht), etc. Probier’s aus und dank mir später. 
  4. Danke für den Tipp, Werner
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